Das Foto zeigt zwei Verkehrsschilder: Achtung Baustelle! Und Hinweisschild Autobahn AK

Das neue Jahr sieht schon ziemlich alt aus

Geistlicher Impuls für Januar 2025 - und das ganze Neue Jahr
Dem äußeren Anschein zum Trotz: Wir müssen das Neue nicht selbst machen. Vielmehr: Gott lässt die Welt nicht zugrunde gehen. Am Ende wird alles gut. Und wir gehen getrost jeden Tag wieder an die Arbeit.

Von Polizeipfarrer Dr. Armin Kistenbrügge


Biblische Jahreslosung 2025: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung Kapitel 21, Vers 5)

Trauen Sie sich noch, ihren Kollegen auf dem Flur ein „frohes Neues“ nachzurufen? So, wie dieses Jahr angefangen hat? Da sagt man doch lieber: „Nützt ja nix, geht weiter.“ Das neue Jahr sieht gleich am Anfang schon ziemlich alt aus: Nichts hat sich geändert, die Welt dreht sich weiter, und zwar gefühlt immer schneller, und man ist schon am Anfang müde. Von der ständigen Erneuerung, die uns versprochen und abverlangt wird. Soziologen haben schon einen Begriff für dieses Gefühl gefunden: „change fatigue“. Das ganze Land eine Baustelle. Einen „Neuanfang“ scheint man in der Politik ja immer dann zu beschwören, wenn nichts mehr geht und man ratlos vor den vielen Baustellen steht.

Nicht wir müssen alles machen

Ich finde aber, für uns Zeitgenossen passt gerade deshalb die Jahreslosung für 2026: „Gott spricht: ‚Siehe, ich mache alles neu!‘“ Bei Gott ist das keine Drohung. Wenn sich die Handwerker den Sanierungsfall ansehen und raunen: „Na, det wird teuer. Wir müssen hier allet neu machen“, dann wird man blass um die Nase. Aber hier müssen nicht wir alles runderneuern und uns ständig neu erfinden und alle paar Wochen ein Software-Update machen, nach dem wieder gar nichts funktioniert, sondern Gott ist es, der verspricht: Ich lasse die Welt nicht zugrunde gehen.

Es bleibt nicht alles beim Alten und ist irgendwann mal zu Ende, mit Schrecken. In Zeiten radikaler Veränderung, wo sich niemand mehr sicher ist, ob morgen noch ein Stein auf dem anderen steht und global wieder das Recht des Stärkeren unfriedliche Urständ feiert, da ist für mich die Perspektive, dass das nicht das letzte Wort ist, ein Trost.

Am Ende wird wirklich alles gut

Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, aus dem der Bibelvers für die Jahreslosung entnommen ist, geht es genau um diese getroste Hoffnung in absolut turbulenten Zeiten. Heute nennt die Wissenschaft das „Polykrise“, was Menschen so müde macht. In der Offenbarung wird zwischendurch immer wieder deutlich, dass das alles nur das Vorletzte ist und am Ende wirklich alles gut wird.

Alles. Neu. Nicht nur notdürftig repariert und aufgemöbelt, sondern eine Neu-Schöpfung, die so gut sein wird, wie Gott ganz am Anfang, im ersten Buch der Bibel mal gesagt hat: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Ohne Hass. Ohne Leid. Ohne Krieg. Ohne Schmerzen.

Das Gute hat längst begonnen

Wir kommen nichts ans Ende, sondern Gott kommt mit uns ans Ziel. Hat er versprochen. Daran halte ich mich fest. Gerade jetzt. Das Gute dabei ist, dass das nicht erst am Sankt Nimmerleins-Tag passiert, sondern schon längst begonnen hat. Die vielen kleinen Neuanfänge sind Zeichen dafür: Wenn ein absolut unverbesserlicher Mehrfachtäter doch noch die Kurve kriegt. Wenn traumatisierte minderjährige Flüchtlinge das erste Mal im Leben Bestätigung finden und eine Ausbildung zu Ende bringen und die Seele langsam heilen kann. Wenn Vergebung es ermöglicht, neu anzufangen, obwohl man nichts mehr ungeschehen machen kann. Dann ist Gott schon dabei, alles neu zu machen.

Die Welt nicht verloren geben

Alles neu. Sogar bei mir, wenn ich morgens in den Spiegel gucke und finde, ich sehe am Jahresanfang schon ziemlich alt aus. Aber am Badezimmerspiegel steht der Bibelspruch vom alten Apostel Paulus: „Darum werden wir nicht müde. Wenn auch der äußere Mensch verfällt, so wird doch der innere täglich erneuert.“ (2. Korintherbrief Kapitel 4, Vers 16) Dann schmunzele ich, grummle mein Spiegelbild an: „Ich kenn dich nicht, aber ich rasier‘ dich trotzdem“, entscheide mich dafür, die Welt nicht verloren zu geben, und gehe an die Arbeit.

Gott befohlen!
Ihr Polizeipfarrer Armin Kistenbrügge