Das Logo enthält das diesjährige Motto Mit Gefühl zur Aktion 7 Wochen ohne gep

„Sieben Wochen ohne Härte“

Geistlicher Impuls für März 2026

Die Fastenzeit hat wieder begonnen. Sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern. Auch viele Menschen, die sich selbst gar nicht für religiös halten, können mit dieser besonderen Zeit im Jahreskreis etwas anfangen und versuchen, sie für sich zu gestalten. Bewusst verzichten sie auf manchen Konsum, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Oder um erst einmal herauszufinden: Was ist für mich überhaupt das Wesentliche? Was tut mir gut? Was trägt mich?

Es geht dabei um eine Neuausrichtung, letztlich um eine Suche nach mehr innerer Freiheit. Die Wege des Fastens können sehr unterschiedlich sein. Im Polizeipräsidium Westhessen bietet die Polizeiseelsorge gemeinsam mit dem Gesundheitsmanagement in diesem Jahr erstmals eine gemeinsame Fastenwoche an. Unter fachkundiger Anleitung verzichten die Teilnehmenden eine Woche lang auf feste Nahrung bei gleichzeitig ausreichender Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser, Kräutertees, verdünnten Säften sowie Gemüsebrühe. Diese Form des Fastens unterstützt positive Veränderungen sowohl im Stoffwechsel als auch im Mindset.

Mit Gefühl und ohne Härte. Im Polizeidienst?

Die evangelische Kirche in Deutschland lädt zu einer bewussten Gestaltung der Fastenzeit ein, in diesem Jahr unter dem Motto: „Mit Gefühl. Sieben Wochen ohne Härte.“ Über dieses Leitwort nachzudenken, lohnt sich besonders auch aus polizeilicher Perspektive.

Selbstverständlich braucht es im Polizeidienst Härte. Das ist mir neu bewusst geworden, als ich kürzlich eine ballistische Schutzweste für die Einsatzbegleitungen, die ich als Polizeiseelsorger wahrnehme, bekommen habe. Diese Schutzweste muss hart genug sein, um mich im Ernstfall vor einer Schussverletzung zu schützen – alles andere wäre naiv und fahrlässig. Um diesen Zweck erfüllen zu können, muss diese Weste allerdings ziemlich schwer sein. Für meine Statur wiegt sie mehr als 10 Kilogramm. Dieses Gewicht muss ich dann wie jeder Polizeibeamte im Einsatz mit mir herumschleppen.

Härte hat ihre Grenzen. Oft ist sensible Kommunikation zielführend.

Härte hat immer ihren Preis. Sie schützt das verletzliche Innere, aber sie belastet auch. Und sie hält Menschen auf einem gewissen Abstand voneinander – versuchen Sie doch einmal mit einer Schutzweste einen anderen Menschen in den Arm zu nehmen!

Härte hat ihre Grenzen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Aktion „Mit Gefühl. Sieben Wochen ohne Härte“ ist eine Einladung, in der Fastenzeit einen mitfühlenden Umgang im Miteinander auszuprobieren und einzuüben. In einer Zeit zunehmender Polarisierung und Aggression ist das – so finde ich – ein klares und Mut machendes Statement. Auch im Polizeidienst gibt es ja unzählige Situationen, in denen eine sensible und empathische Kommunikation notwendig und zielführend ist. Sie wirkt deeskalierend und hilft Menschen, mit belastenden Ereignissen besser umzugehen.

Menschliche Nähe kann wachsen, wenn man Verletzlichkeit zeigen kann.

Vor allem aber – das ist meine Erfahrung – ist ein Ablegen des eigenen Panzers eine wichtige Voraussetzung dafür, dass echte menschliche Nähe überhaupt erst wachsen kann. Richtige Freunde sind für mich Menschen, denen ich auch meine Verletzlichkeit zeigen kann. Und die sich trauen, mir ihre Verletzlichkeit zu zeigen. Wenn ich aber feststelle, dass jemand meine Offenheit für seinen Vorteil ausnutzen will, lege ich meinen Panzer ganz schnell wieder an. Ein sehr sensibler Bereich ist das. Wie übrigens auch die Härte mir selbst gegenüber, die mich manchmal davon abhält, barmherzig und geduldig zu mir zu sein.

Mit Gefühl. Sieben Wochen ohne Härte“ – ein guter Anstoß für diese Fastenzeit! Ich bin gespannt, was ich damit erlebe.

Ich wünsche Ihnen, dass die Fastenzeit für Sie zu einer guten Zeit wird!
Ihr Polizeipfarrer Michael Grimm


Übrigens
Die Fastenwoche im Polizeipräsidium Westhessen findet vom 20. bis 27. März 2026 statt.
Nähere Informationen hier auf dieser Website unter „Angebote“.