Die Grafik zeigt den Text ©Stefanie Bernecker/fundus-medien.de

Bei uns fließt bald nichts mehr. Außer der Schweiß.

Geistlicher Impuls für Juli 2026

von Polizeipfarrer Dr. Armin Kistenbrügge


„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos Kapitel 5, Vers 24)


Der Prophet Amos war eigentlich Amateur. Kein beamteter Wahr-Sager. Er hatte sich das nicht ausgesucht. Seit er unverhofft die Lage des Landes aus dem Blickwinkel Gottes sah, konnte er nicht mehr ruhig schlafen und die Klappe halten. Er sah, was alles grundlegend falsch lief zu seiner Zeit in Israel.

Deftige Worte als Gewissensrede

So fing Amos an, den Leuten ins Gewissen zu reden: „So geht’s nicht weiter. Guckt euch doch um: Die Oberschicht in Samaria wird immer reicher. Die Armen haben nichts zu fressen. Aber die Pacht für das Land, und die Mieten, die steigen immer weiter. Und die reichen Ladies, diese fetten Kühe, fläzen sich in den Polstermöbeln, saufen Wein mit Strohhalm aus dem Eimer und feiern, als gäb‘s kein Morgen. Den Reichen ist die Gerechtigkeit scheißegal: Sie suchen ihren Vorteil!

Und dann sitzt ihr im Gottesdienst und gröhlt Lieder zur Harfe, wollt Songs schreiben wie David. Aber ihr macht euch kein Bild, wie ihr Gott ankotzt mit euren Gottesdiensten und eurer Doppelmoral! Ihr seid so satt, dass keiner mehr den Hunger nach einem Wort von Gott verspürt.“

Die Vision echter Gerechtigkeit

Ätzender geht’s kaum. Amos hielt den Leuten den Zerrspiegel vor, damit sie überdeutlich sahen, was die Stunde geschlagen hatte. Natürlich bekam er Ärger mit den Behörden. Dabei war seine positive Vision eigentlich genau das, was der Gott, der Sklaven befreit und dessen Herz aus Barmherzigkeit bestand, bei „seinem Volk“ sehen wollte: Nicht sozial taube Rechtschaffenheit, sondern echte Gerechtigkeit. Die wie eine Fruchtbarkeit schenkender Fluss das Land am Leben hält.

„Sucht mich, so werdet ihr leben!“

Bei uns geht alles den Bach runter, hat man den Eindruck. Aber bald fließt womöglich nichts mehr, weil die Quellen, aus denen sich unser Gemeinwesen speist, versiegen. Hören wir nicht bloß auf das Echo des nie abreißenden Stroms, der uns durch das smartphone in den Kopf gespült wird. Sondern auf den Gott der Gerechtigkeit: „Sucht mich, so werdet ihr leben!“ (Amos Kapitel 5, Vers 4)

Nichts für ungut, angenehmen Sommer, Gott befohlen! 
Ihr Polizeipfarrer Dr. Armin Kistenbrügge