Eine Schüssel voller Beeren symbolisiert das gute Leben ©GemeindebriefDruckerei

Nicht nur funktionieren, sondern leben

Geistlicher Impuls für August 2026

von Landespolizeipfarrerin Astrid Stephan


Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Johannesevangelium Kapitel 10, Vers 10)


Was macht mein Leben voll, rund und gut? Mein privates genauso wie das berufliche mit Dienstplan, Einsatzlage und Verantwortung? Manchmal ist es zu voll: voller Termine, voller Menschen, voller Hektik. Und manchmal ist es zu leer: Einsam arbeite ich vor mich hin, Lachen fehlt, und liebe Menschen, Auftanken. Ich weiß: Wer nur gibt, schützt und trägt, ohne selbst aufzutanken, läuft Gefahr innerlich leer zu werden.

Der Gute Hirte sorgt und schützt

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt Jesus im Johannesevangelium. Der Vers steht im Zusammenhang mit dem Bild vom „Guten Hirten“, der sich um seine Schafe kümmert und ihnen Schutz und Führung gibt. Jesus verwendet hier ein Bild, das damals jeder verstand: Der Hirte sorgt für seine Schafe, kennt sie alle und schützt sie. Die Schafe hören seine Stimme und vertrauen ihm. Aber auch von Dieben spricht Jesus. Sie stehen für falsche Führer, die ausnutzen oder zerstören.

Mit dem Bild vom Hirten sagt Jesus: Ich sehe dich! Ich kenne dich und ich will dir nahe sein! Und ich nutze dich nicht aus: Im Gegenteil gebe ich dir ein Leben in Fülle, im Jetzt und Hier. Jesus stellt sich denen entgegen, die Leben zerstören. Sein Ziel ist ein Leben, das wirklich erfüllt, frei und lebendig ist – jetzt und in Ewigkeit.

Nicht nur funktionieren, sondern leben

Polizeidienst bedeutet oft, mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert zu sein: Gewalt, Konflikte, Leid, Angst, Aggression und menschliche Abgründe. Das auszuhalten, ist manchmal schwer und kann „runterziehen“. Kommen außerdem private Belastungen dazu, wird es auch mal zu viel.

Der Satz Jesu wirkt in diesem Kontext fast provokant: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben. Nicht nur überleben. Nicht nur funktionieren. Nicht nur Schicht um Schicht absolvieren. Sondern leben.

Für viele im Polizeidienst besteht die Gefahr, innerlich in einem Dauer-Einsatzmodus zu sein: wachsam, kontrolliert, angespannt. Das ist beruflich notwendig – aber auf Dauer kann es dazu führen, zwar professionell zu handeln, dabei aber innerlich abzustumpfen. Gerade wer täglich Ordnung sichert, braucht selbst dringend einen inneren Ort von Orientierung und Frieden.

Man muss nicht alles allein tragen. Jesus bietet sich als Helfer an

Jesus stellt sich hier als guter Hirte vor – als einer, der führt, schützt und kennt. Das ist ein starkes Bild für Menschen, die oft Verantwortung für andere tragen: Auch wer Verantwortung trägt, muss nicht alles allein tragen.

Vielleicht ist „Leben in Fülle“ für den Polizeialltag ganz konkret: Trotz Härte das Herz nicht zu verlieren, trotz notwendiger Distanz Menschlichkeit zu bewahren, trotz Druck die eigene innere Balance zu schützen.

Und genau hier bietet Jesus an: Wenn du dich auf mich verlässt und mir nachfolgst, dann kann ich dir durch so manche schwierige Situation hindurchhelfen – und kann dich neu mit meiner Liebe anfüllen, damit du wieder gut dein Leben mit allen Herausforderungen leben kannst.

Jesus sagt: Ich kann dich innerlich lebendig halten, tragen und lebens- und liebenswert bleiben lassen. Ich kann dir Frieden im Herzen schenken.

Einen schönen und hoffentlich nicht zu heißen Sommer!
Ihre Polizeipfarrerin Astrid Stephan