Ein Mähdrescher erntet eine Getreidefeld ab, ein Traktor mit Anhänger daneben wird mit dem Getreide voll geladen ©pixabay.andystrauss

„Danke für nix…?“

Geistlicher Impuls für Oktober 2026

Einen Anstoß zum Nachdenken. Eine Gardinenpredigt zu Erntedank. Das biblische Beispiel des bekloppten Kornbauern. Und einen Aufruf, Danke zu sagen. Denn die Dankbaren sind glücklich. Das liefert der Geistliche Impuls von Polizeipfarrer Dr. Armin Kistenbrügge im Herbst 2026. 

Quizfrage: Was ist Volkssport in Deutschland 2026? Meckern. Die Stimmung klingt gerade nicht nach Dankbarkeit, sondern nach: „Danke für Nix!“ Dankbarkeit hat gerade Konjunkturflaute.

Gefangen zwischen berechtigter Kritik und täglicher Weltuntergangsstimmung

Dabei gehören wir zu den wohlhabendsten Menschen, die jemals auf diesem Planeten gelebt haben. Wir trinken Kaffee aus Kolumbien, essen Avocados aus Peru und lesen auf einem Tausend Euro teuren Smartphone, dass alles den Bach runtergeht. Irgendwo zwischen berechtigter Kritik und täglichem Weltuntergang scheint uns das Verhältnis abhandengekommen zu sein. Aus Problemen sind Katastrophen geworden. Aus einer kaputten Brücke der Beweis, dass das Land endgültig zusammenfällt.

Natürlich läuft vieles superschlecht. Wohnungen fehlen, der Einkauf wird teurer, Schulen bröckeln. Auf einen Termin beim Facharzt wartet man manchmal so lange, dass die in China in der Zeit eine U-Bahn bauen. Aber wie unterscheiden zwischen berechtigter Kritik und täglicher Weltuntergangsstimmung? Aus Wohlstand wurde Normalität. Aus Normalität wurde Erwartung. Und aus Erwartung irgendwann Anspruch.

Wie finden wir aus diesem kollektiven Gemecker wieder raus?

Von dieser Anspruchshaltung aus führt jedenfalls kein Weg in die Zufriedenheit. Du kannst nicht drauf warten, bis dir alles zu den Ohren rauskommt und alles, was du dir wünschst, in Erfüllung gegangen ist. Und dann, irgendwann mal, stellt sich auch so was wie Dankbarkeit ein.

Biblische Warnung: Überfluss hilft nicht

Als könnte man unter einem Berg von Gütern begraben dankbar sein. Das ist die Logik vom bekloppten Kornbauern im Lukasevangelium (Lukas Kapitel 12, Verse 16 -21, siehe Text unten). Der so viel erntet, dass sein Schuppen nicht reicht. Und Stress kriegt, weil er einen größeren bauen muss. Müssen wir ja auch ständig: Kaum sind die Straßen alle achtspurig ausgebaut, fängt man von vorne an, weil das Verkehrsaufkommen, der Jahresumsatz und der Börsenindex und alles immer weiter steigt.

Aber jedes Mal sagt sich der schlaue Bauer: Wenn erst mal alle Schäfchen im Trocknen sitzen, dann… ja, dann geh ich in den Ruhestand, setze mich in den Liegestuhl und schaue dankbar auf alles, was ich erreicht habe. „Bekloppter geht’s nicht“, hat Jesus gesagt. Weil der vorher den Herzinfarkt kriegt. Diese Lebenslogik gibt’s offensichtlich schon länger.

Mangel hilft auch nicht

Aber das Umgekehrte macht einen auch nicht dankbarer: Der Mangel. Diese Predigt vom Opa: „Wir hatten damals ja nix! Wir haben mit 20 Gramm Margarine 40 Brote geschmiert! Und eine Dauerwurst hat fünfzig Jahre gereicht, warum hätte die sonst Dauerwurst geheißen?“

Also: Diese ewige deutsche Unzufriedenheit killt dir auf Dauer die Lust am Leben. So bleibt man garantiert unglücklich.

Es ist Zeit, Danke zu sagen

Nicht die Glücklichen sind dankbar: Wenn ich das hätte, und dann noch das, dann… Es ist umgekehrt: Die Dankbaren sind glücklich.

Übrigens: Am Sonntag ist Erntedank. Danke sagen ist wie seelisch an die Tanke fahren.
Gott befohlen!

Ihr Armin Kistenbrügge, Polizeipfarrer im PP Mittelhessen


Der reiche Kornbauer

Neuse Testament: Lukas Kapitel 12, Verse 16 -21

Jesus sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Land hatte gut getragen.
Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle.
Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter
und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!
Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?
So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.